Die Spukhallen von Abendstern
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...oder: Denn sie wissen nicht, was sie tun - Teil 1
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Bogenwald am 14. Tarsak 1361
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Ah, endlich einmal Zeit für ein paar Zeilen aus vergangenen
Tagen. Man kommt zu nichts mehr... es wird Zeit, dass ich mir ein
paar Schüler anschaffe!
Als wir unsere Abenteuertour begannen, konnte ich leider noch nicht
lesen oder schreiben. Ich habe die folgenden Geschichten, jetzt, da
ich diese nützliche Kunst inzwischen gelernt habe, einfach so
niedergeschrieben, wie ich mich noch an sie erinnere. Ich hoffe, mir
ist dabei kein allzugrosser Fehler unterlaufen...
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Ethren
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Meine Lehrzeit mit Cashron fand ein plötzliches Ende,
als sich die Auseinandersetzungen zwischen den irrsinnigen Priestern
des Talos und dem Zirkel des Guldmerewaldes weiter zuspitzten.
Natürlich hatte ich Angst vor den aufkommenden Kämpfen, aber
dennoch, jung und tatendurstig, wie ich damals noch war, brannte ich
darauf, meinen Glauben und die ihm innewohnende Kraft diesen
Verrückten entgegenzuschleudern.
Es kam anders: Cashron packte mich am Morgen des 12. Tarsak 1355 am
sprichwörtlichen Hemdkragen und zerrte mich nach Nathlekk. Ich hatte
dort gerade noch die Gelegenheit, mich von meiner Schwester zu
verabschieden (wir mochten uns sowieso nicht besonders...), und
schon ging's weiter nach Sternmantel.
In Sternmantel erreichten uns dann aufregende Berichte von den
ersten Kämpfen in den Randbezirken des Waldes. Ich hatte natürlich
durchschaut, warum Cashron so plötzlich mit mir verschwunden war,
dazu kannte ich ihn bereits schon zu lange. Er hatte Angst um mich,
und das wiederum machte mich wütend. Er traute mir nicht zu, dass
ich bei den kommenden Auseinandersetzungen eine Hilfe sein könnte.
Dementsprechend bockig habe ich mich bei der weiteren Reise
angestellt.
Aber es half nichts. Wir kamen nach Westtor, und dort hat er mich zu
einem kleinen Chautea-Klerikerzirkel, der dort (wenn auch eher
"unauffällig") seine Arbeit tut, gesteckt. Ganz getreu dem Motto:
"Setz dich, meditiere, und rühre dich nicht vom Fleck, bis ich dich
kommen hole!"
Das Ganze hat mich damals sehr gekränkt... und bei den Klerikern
fühlte ich mich völlig nutzlos. Ich verstand nichts vom Stadtleben,
meinen täglichen Gewohnheiten konnte ich ebenfalls nicht nachkommen,
und die Damen und Herren des Zirkels kamen mir damals furchtbar
langweilig vor. Richtige "Städter", die vermutlich kein Kraut vom
anderen unterscheiden konnten.
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...ich tat nicht was ich soll...
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Es ging auch nicht lange gut. Mitte Flamerule hatte
ich es nicht mehr ausgehalten, und mich auf den Rückweg zu meinem
Zirkel gemacht. Ich kam nicht weit. Lange vor Sternmantel hatte mich
Cashron aufgespürt (wie er das gemacht hat, weiss ich nicht mal
heute). Er war furchtbar wütend - es war das erste mal, dass ich ihn
so erlebte, und er beförderte mich recht unsanft nach Westtor
zurück.
Mein ungehorsam war vielleicht sein Glück, er verpasste durch diesen
Ausflug einen Kampf nahe bei Nathlekk. Der Zirkel war an diesem Tag
von einer Talosgruppe, nach langem Kampf, vernichtend geschlagen
worden, viele starben.
Aber es war auch für die Talosianer ein teurer Sieg gewesen, und
vielleicht hätte sich das Blatt damals gewendet, wenn Cashron
ebenfalls am Kampf teilgenommen hätte. Aber er war ja mit einem
unartigen Jungen beschäftigt, der Westtor zu langweilig fand...
Ich bin nur deshalb so zynisch, weil ich es inzwischen gewohnt bin,
schuld an solchen dummen Zufällen zu sein. Hinter den Kulissen
spielt sich weitaus mehr ab, als wir Sterblichen ahnen können, und
der "dumme Zufall" scheint mich als sein Lieblingswerkzeug
auserkoren zu haben. Aber, ich schweife ab...
Als ich von der Niederlage erfuhr, war es mir natürlich klar, dass
das Fehlen Cashrons, welches ich verursacht hatte, der Grund für
diesen schweren Verlust gewesen war. Aber nicht nur ich dachte so -
der Wind in der Klerikergruppe wehte mir plötzlich wesentlich kälter
ins Gesicht.
Mitte Eleint war ich es dann leid. Nicht genug, dass ich mir ständig
stille Vorwürfe machte, wenn ich hörte, wie der Zirkel eine Schlacht
nach der anderen verlor, ich spürte auch förmlich, wie mir die
anderen ständig hinterherblickten. Ich kam mir vor, wie ein
Aussätziger. Ich beschloss, mich wieder auf den Weg zu machen.
»Ungeliebte Söhne gehen in der Nacht«, sagt man. Es scheint zu
stimmen. Ich habe am 17. Eleint die Opferkasse geplündert, und mir
im Hafen eine Passage irgendwohin gekauft. Wohin war mir egal,
solange es nicht an die Strände des Guldmere-Waldes ging. Die Namen
dieser Ortschaften kannte ich zum Glück, vom Rest der Welt hatte ich
nicht die geringste Ahnung.
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... und das "andere" Leben begann.
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So kam ich damals, ende Marpenot, nach Marsember, der
Handelsstadt von Cormyr. Es war einfach umwerfend gewesen! Ich hatte
noch nie eine solche Ansammlung von Menschen und Häusern gesehen.
Guter Grund, war ich damals beeindruckt!
Das (geklaute) Geld ging mir natürlich rasch aus... aber zum Glück
konnte ich mich als Zimmermannsgeselle verdingen, und in den
nächsten Monaten meinen Lebensunterhalt bestreiten. Mit dem ersten,
kläglichen, eigenen Unterhalt kamen auch die ersten
Wirtshaus-Besuche. Und bei einer solchen Runde lernte ich dann die
ersten "Nordrecken" kennen. Damals wussten wir nur noch nicht, dass
wir uns demnächst diesen Namen geben würden.
Ich habe den Namen der Kneipe inzwischen vergessen - es war ein
kleines, schmuddeliges Lokal mit schalem Dünnbier und unfreundlicher
Bedienung. Wir hatten uns zufällig an einem Tisch versammelt, wo ein
ebenso junger Sprücheklopfer wie ich selbst, seine Weisheiten zum
Besten gab. Ich mochte ihn spontan, den Elain, unseren zukünftigen
Sänger.
Ich gebe zu, es muss an seiner faszinierend Art Geschichten zu
erzählen gelegen haben (das Bier jedenfalls war nicht schuld), dass
ich mich damals völlig gefangennehmen liess , von den
abenteuerlichen Geschichten und Märchen aus der grossen weiten Welt.
Wer sieht sich selbst denn nicht irgendwann einmal in einer
hoffnungslos romantischen Stunde als der Retter holder
Fürstentöchter, oder als Retter der Welt schlechthin? Kurz: als
angehimmeltes Idol mit riesigem Sockel, vor dem sich die Bewunderer
und Bewunderinnen zu Boden werfen?
Derart in Tagträumen gefangen gab ein Wort rasch das andere, und wir
beschlossen eine "Abenteurergruppe" zu gründen (heiliger Rosenbusch,
welch Naivität). Wir wollten der Welt ihre Schätze entreissen,
anstatt sie uns jämmerlich zu erdienen. Wir wollten alle Geheimnisse
ins Licht zerren, alle Wunder in die Tasche stecken... und noch so
manche Dinge mehr.
Nie mehr wieder das Kümmerhühnchen, welches im Dreck scharrt,
sondern der stolze Hahn...
dass der auch nur im Mist kratzt... nun, im Eifer des Gefechtes war
das zweitrangig.
Ums kurz zu machen: mein Anliegen war zunächst ein höchst weltliches
- Gold in meiner Tasche, und eine güldene Zukunft. Da ich es nicht
so mit Frauen hatte, blieb mir dieser Teil der Motivation
wenigstens erspart (Chauntea sei dank, sonst hätte ich in pubertärem
Leichtsinn vermutlich versucht einen Drachen zu töten oder
dergleichen. Junge Männer neigen zu derartigen
Kurzschlusshandlungen).
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Die Nordrecken: Dunaîn, Elain, Ethren und Perseus...
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Zum Glück war ich nicht der einzige mit solchen Flaussen im
Kopf: Dunaîn, ein Waldläufer und ein trinkfester Zwerg namens
Perseus verspürten ebenso den Drang nach einem Sockel unter ihren
Füssen. Bei Dunaîn gings dabei wohl eher um das andere Geschlecht,
während Perseus ganz eindeutig auf Goldsuche war. Ausserdem wird man
als Zwerg auf einem Sockel wenigstens nicht mehr übersehen. Ein
jeder von uns hatte also seine Motive.
Elain, der Anstifter, hatte natürlich auch seine Motive: er wollte
selbst diese Geschichten erleben, von denen er bisher immer nur
erzählte. Aber natürlich nur mit schlagkräftiger Begleitung.
Risikostreuung nennt sich sowas...
Also - auf, zu frischen Taten! Das Gold liegt auf der Strasse, man
muss nur an der richtigen Stelle suchen. So, in etwa, dachten wir
uns das. Einer von uns hatte dann, im letzten Moment, doch noch die
Erleuchtung, dass das Abenteurertum ohne entsprechende Ausrüstung
vielleicht schneller zu Ende wäre, als es uns lieb sein könnte.
Also blieb ich Zimmermannsgeselle und verdiente Geld, während meine
Genossen und Weggefährten sich um die Herstellung der Ausrüstung
kümmerten. Das meiste des Ersparten ging für Perseus missglücktem
Rüstung-Schmiedeversuch drauf, während Elain und Dunaîn sich um
Schwerter und Bögen kümmerten. Was mich betraf, ich war schon
stolzer Besitzer eines Krummsäbels, den ich bereits in Westtor
erstanden hatte (der Opferkasse sei Dank).
Am 9. Eleasias 1356 war es dann soweit - das letzte Schwert (oder
Axt, oder was auch immer) war geschmiedet, und wir trafen uns zur
Abschlussbesprechung noch einmal in "unserer" Kneipe. Alles war
bereit, die "goldene Zukunft" lag vor uns... Wie es der Zufall so
wollte, wurde zum selben Zeitpunkt das Zimmer der Herberge, in dem
Elain und ich wohnten, ausgeräumt.
Nun, wir Druiden haben unsere Schwächen: wir brauchen eine silberne
(oder goldene, je nach Lebensauffassung) Sichel, um die
wunderkräftigen Pflanzenteile zu schneiden, die wir für unsere
Mystik benötigen. Und gerade diese Sichel wurde mir
gestohlen. Ich erinnere mich noch gut - ich hätte vor Wut am
liebsten Stinkmorcheln gefressen. Elain war ähnlich wütend, seine
Leier hatten die Langfinger ebenfalls eingepackt. Beides war für uns
damals unersetzlich. Ich hätte noch mindestens ein weiteres Jahr
schuften müssen, um mir wenigstens ein billiges Plagiat meiner
Zeremonialsichel leisten zu können. Leiern scheinen ebenfalls sehr
teuer zu sein.
Um eine lange Geschichte kurz zu machen: wir haben beides wieder
gefunden - und auch wieder in unseren Besitz gebracht. Dabei gab es
dann den ersten Toten, die erste Tötung, die ich direkt miterlebt
habe. Wir hatten es nicht beabsichtigt... es war halt passiert. Das
ist fast immer so mit der Gewalt. Eigentlich will man nicht, aber
man muss halt, weil einem nichts besseres einfällt... dann will der
andere aber auch, und man muss mehr... und schliesslich ist einer
von beiden tot. Ich fand es trotzdem schrecklich. Und ich weiss
nicht, ob ich es gut finden soll, dass es mir inzwischen kaum mehr
etwas ausmacht.
Dieser "Vorfall" ereignete sich am 22. Eleasias, spät am Abend. Am
23. waren wir dann bereits im Marschland vor dem Nordtor von
Marsember, auf unserem Weg ins Glück. Oder zumindest auf unserem Weg
möglichst rasch weg von Marsember.
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Im Wald nahe bei Dhedlukk haben wir dann Grachgrym aufgegabelt.
Er sass, recht schwer verletzt, unter einem Baum, und schien auf
sein Ende zu warten. Beim ersten Anblick war ich auch spontan
geneigt, ihn diesem Schicksal zu überlassen. Stellt euch vor: ein
Riese von einem Mann, vollgepackt mit Muskeln, geradezu vergraben
unter einem Berg aus Rüstungs- und Waffenmetall, mit einem Gesicht,
das man dazu verwenden könnte unartige Kinder zu erschrecken. Ich
habe ihn trotzdem geheilt. Ich hätte ihm auch gerne ein wenig mehr
Verstand gegeben, aber über den Verstand entscheiden die Götter zum
Zeitpunkt der Empfängnis.
Er stammte irgendwoher aus dem Norden, aber genaueres war aus ihm
nicht herauszubekommen. Er war sowieso ein stiller Geselle, der
selten sprach. Ganz im Gegensatz zu Elain.
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Grobe Skizze meiner ersten Reise nach Abendstern

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Als buntgewürfelter Haufen kamen wir schliesslich am 29.
Eleasias in Abendstern an.
Was für ein wunderschönes Dorf. Kitschig bis zum Abwinken,
aber unheimlich wohnlich. Wenn ich mal an den Ruhestand denke, dann
könnte ich durchaus Abendstern in Betracht ziehen.
In Abendstern bezogen Grachgrym und ich erst einmal Quartier im
"Einsamen Bierkrug", eine echte "Abenteurer-Kneipe", mit
entsprechenden Preisen. Unseren Barbaren hatte ich, seit der
erfolgreichen Heilung, ständig am Rockzipfel. Meine Sicherheit
schien ihm am Herzen zu liegen.
Seine und meine Waffen vielen natürlich bei den örtlichen
Gesetzeshütern (Cormyr ist voll von Gesetzeshütern)
sofort auf, und wir mussten dieselben erst einmal in Verwahrung
geben. Ich kann Euch sagen: das war vielleicht ein Drama!
Gütiger Gurkenstengel! Grachgrym hat sich angestellt, als wolle man
ihm die Kleider vom Leib reissen, und ihn nackt durch die Strassen
jagen. Das war der Zeitpunkt, zu dem mir klar wurde, dass
unser Barbar noch für etlichen Ärger sorgen würde.
Dunaîn und Perseus bezogen ihr Quartier im "goldenen Einhorn", einer
Kneipe, die genau so teuer war, wie sie hiess. Es zeigte sich, dass
Abendstern ansonsten über alles verfügte, was eine gemütliches Dorf
benötigt: einen Tempel, Apotheke, Kräuterfrau, Schmied und so
weiter... und natürlich einen Dorfherold und eine Fürstin.
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Beim Teekränzchen mit Szylla, Gawain und Volkhavaar...
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Zum holden Oberhaupt von Abendstern wurden wir dann auch am
nächsten Tag bestellt. Fürstin Tesaril gab ein Teekränzchen, und war
ganz unverhohlen neugierig, wer denn jetzt schon wieder ihr
verschlafenes Dorf unsicher macht. Wir waren allerdings nicht die
einzigen Gäste, Jelde Asturien, ein Lathanderpriester, war ebenfalls
zugegen und hatte eine recht verschüchterte Novizin mit im
Schlepptau.
Sie wurde uns als Szylla von Yhaun, Novizin des dortigen
Selunetempels vorgestellt. Mehr als ein schüchternes 'Hallo' bekamen
wir jedoch nicht von ihr zu hören. Ziemlich verklemmt, die Gute. Die
beiden anderen Gäste, die zugegen waren, waren dafür umso
gesprächiger. Volkhavaar von Tiefwasser und Sir Gawain, ein junger
Paladin des Tyr, ebenfalls aus dem Nordwesten, hatten keine
Schwierigkeiten, den Nachmittag zu bestreiten. Der Rest konnte sich
entspannt zurücklehnen, und den Tee geniessen... ok, ich gebe zu,
ich übertreibe ein wenig. Aber geschwätzig ist er schon, der
Volkhavaar.
Nachdem sich herausstellte, dass wir eigentlich alle nichts
konkretes vorhatten (das unschöne Ereignis in Marsember wurde
einhellig verschwiegen), beschlossen wir, gemeinsam im Bierkrug zu
nächtigen. Zu zweit ist ein Zimmer einfach billiger, als alleine.
Und meine Wenigkeit hat noch nie zu den wohlhabenderen
Volksschichten gehört.
Da Grachgrym und ich immer noch waffenlos waren, packten wir die
Gelegenheit des Besuchs beim Schopf, und erkundigten uns, wie wir
unsere lebensnotwendigen Prachtstücke denn wieder zurückbekommen
könnten. Das war eigentlich leichter, als gedacht: wir mussten nur
ein Formular ausfüllen, in dem die Reisegesellschaft namentlich
aufgeführt wurde, und schon wären wir wieder Besitzer unserer
Ausrüstung gewesen... wenn man der Reisegesellschaft nicht einen
gemeinsamen Namen hätte geben müssen. Als wir uns nach einigen
Stunden Diskussion immer noch nicht geeinigt hatten, beschlossen
wir, dieses Thema auf den nächsten Tag zu vertagen.
Das ist das schlimme an der Verwaltung: sie neigt dazu, unschuldige
Zeitgenossen anzustecken wie eine Grippe. Die einfachsten Dinge
werden dann plötzlich kompliziert und zeitraubend. Chauntea sei
Dank, dass ich im Herzen ein Chaot bin. Ich gebe zu, ich bin es
nicht freiwillig, aber manchmal hütet einen solch eine Veranlagung
vor zuviel Verwaltungswut. Wenn man mal überhaupt nichts mehr
findet, weil alles unter Wagenladungen voll Pergamenten, Papyri,
Notiztäfelchen und dergleichen verschwunden ist, dann fragt man
sich, ob man mit weniger Notizen vielleicht besser organisiert wäre.
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...beschlossen die Nordrecken ihr erstes
Unternehmen:
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Am nächsten Tag war es dann soweit: ich war gerade am Dorfbach,
um meine Klamotten vom Dreck der vergangenen Monate zu reinigen, da
hatten sich meine Kameraden doch glatt auf einen gemeinsamen Namen
geeinigt: "die Nordrecken"
Ich brauche glaube ich nicht noch einmal betonen, dass ich aus dem
Süden stamme. Aber, nachdem der Verwaltungsakt abgeschlossen war,
wollte ich nicht schuld an noch mehr Komplikationen sein, damals
hatte ich noch die Hoffnung, das mir dieser Vorsatz tatsächlich auch
gelingen könnte.
Nordrecken also... mir soll's recht sein.
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Die Spukhallen zu Abendstern... her mit dem alten Plunder!
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Nachdem unsere finanziellen Ressourcen geradezu sprichwörtlich
dahinschmolzen wie Schnee im Hochsommer, wurde es tatsächlich Zeit,
den Urlaub zu beenden. Also, wenn es nach mir gegangen wäre,
dann hätten alle im einsamen Bierkrug übernachtet. Aber nach
mir geht es ja nie!
Jedenfalls wurde es höchste Zeit, endlich die leeren Taschen wieder
mit irgend etwas zu füllen, was die hiesige Bevölkerung als
tauschbaren Gegenwert akzeptiert hätte. Also machten wir uns auf die
Suche und - wir fanden sogar mal zur Abwechslung was! Im
Norden von Abendstern gab es tatsächlich einen Zugang zu einem
unterirdischen Höhlensystem, das teilweise künstlichen Ursprungs
war.
Und der Vormieter hatte noch jede Menge Mist in den Hallen
zurückgelassen. Der positive Mist bereicherte unsere Taschen (was
einigen prompt gehörig zu Kopf stieg), der negative Mist bereicherte
unsere Lebenserfahrung und sorgte dafür, daß die Taschen schnell
wieder leer wurden.
Über die Spukhallen selbst mag ich jetzt gar nicht so viel erzählen.
Es gibt da ein Standardwerk von Sir Trenwig Sire
of Rivendel, da findet Ihr alles, was Euch zu den
Spukhallen vielleicht interessieren könnte. Und wenn ich hier jetzt
zuviel plaudere, dann wird der Gute sicher böse - weil dann seine
Bücher keiner mehr liest.
Aber einige Szenen werden mir immer im Gedächtnis bleiben: so zum
Beispiel unser Paladin der ausgelassen ("ich bin heilig, ich bin
heilig") im Grünschleim herumplanschte, während seine Klamotten
langsam aber sicher als graue Grütze von ihm tropften. Und dann:
dieses magische Bild... echt geil! (entschuldigt den Ausdruck, ich
bin halt auf der Straße aufgewachsen.) Leider hat unser hüpfender
Paladin später eine Hand eingebüßt. Fürstin Tesaril hat sie ihm
wiederbesorgt. Seither hängt das magische Bild bei ihr im
Schlafzimmer. Ist vielleicht auch ganz gut so. Grachgrim hätte nur
versucht das Teil zu essen, Dunaîn hätte es verfeuert, und Szylla
hätte es einfach irgendwo vergessen (vor allem bei Neumond, da ist
die Gute immer nachts singend durchs Gestrüpp geirrt.) Ach - und
Volkhavaar nicht zu vergessen: der hätte sich das gute Teil als
Untersetzer für den Nachmittagstee umarbeiten lassen. Was Kunst
angeht fühlte ich mich oft von Banausen umgeben!
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und ist's nicht das Ende unsrer Tage, kommen wir wieder...
keine Frage!
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Im nachhinein betrachtet war Abendstern doch der schönste
Fleck, an dem ich seit langer Zeit war. Vielleicht nicht der schönste
im Schönheitssinn, aber doch der schönste, was das "Heimatgefühl"
angeht. Ich bin nirgendwo mehr so heimisch geworden, wie in diesem
kleinen, furchtbar ordentlichen Dorf. Und auch sein Lathandertempel
hat wirklich eine ganz besondere Ausstrahlung. Das hängt aber sicher
auch mit dem Priester Jelde Asturien zusammen, der dort
residiert - oder seinen vorgezogenen Ruhestand feiert, ganz wie man
will. Aber fragt ihn selbst, den Jelde - und laßt Euch mal von Ihm
die Frühlingsreiser rupfen! Einfach Klasse! Da ist er sogar
besser wie Cashron. Man was war ich beim ersten mal demoralisiert,
nachdem Jelde uns so richtig die Meinung gegeigt hatte. Der Gute hat
echt Format!
Zum Schluß muß ich natürlich auch erwähnen, daß ich in Abendstern
meine ersten Drow gesehen habe. Unangenehme Begegnung...
leider nicht die letzte wie sich sehr bald herausstellen sollte.
Falls Ihr mal an Abendstern vorbeikommen solltet - schaut auf jeden
Fall vorbei! Die Chance ist sogar groß (größer zumindest als für die
meisten anderen Orte auf Toril), daß wir uns mal dort treffen.
Grüße
Ethren |
[Nordrecken] [Ethren]
[Zurück]- Last edited: 04.02.2006 by Ethren |